Reisebericht Georgien

Reisebericht expedition caucasus



Vom Schwarzen Meer bis in den Hohen Kaukasus Kreuz und quer durch Georgien Erlebt und beschrieben im August 2012

Sticker Sakartvelo 2012Unser Ziel ist das kleine Land Georgien von dem erzählt wird, Gott selbst habe sich diesen Flecken Erde reserviert. Nur als Gott die Länder dieser Erde unter den Völkern aufgeteilt hatte, da waren die Georgier zu spät gekommen. Sie hatten mit ihren Gästen gefeiert,  beim Weine gesungen und getanzt, hatten auf das Wohl Gottes getrunken und nun standen sie vor seinem Thron und waren leer ausgegangen. Da erbarmte sich Gott und schenkte den Georgiern das kostbarste Stück Land das noch geblieben war - sein eigenes.

Georgien_Kirchenkuppel

Georgien reicht vom östlichen Gestade des Schwarzen Meeres bis zu den Südhängen des Großen Kaukasus und grenzt im Norden an Russland, im Süden an die Türkei, Armenien und Aserbaidschan. Die Bewohner nennen ihr Land „Sakartwelo“ das Land der Kartweler, nach dem mythischen Stammvater Kartlos, einem der Urenkel Noahs. Dieses Land an der Grenze zwischen Europa und Asien wollen wir auf eigenen, Allrad angetriebenen Reifen bereisen. Wir das sind die beiden Initiatoren der Reise in ihrem polnischen Landcruiser, die Besatzung eines Defenders aus Deutschland und zwei Brüder in einem weiteren Landcruiser aus den Niederlanden. Gesamt also 6 Menschen, oder im Fährjargon ausgedrückt, drei Doppelkabinen.

 

UKR Ferry MS "Greifswald"Warten auf die Verladung im ukraninischen Hafen Illchivisk

Wäre nicht die Willkür der ukrainischen Grenzschützer und die Unfähigkeit des Fährpersonals, wäre nicht die uns dreimal täglich aufgezwungene schlechte Verpflegung, bei der es sogar an angeschimmeltem Brot nicht fehlte, ja dann wäre die Fährfahrt von Illchivisk in der Nähe Odessas nach Batumi in Georgien sicher ganz entspannt gewesen.

Die LKW-Fahrer waren die größte Gruppe der Mitreisenden, aber die wenigen Passagiere waren schon ein interessanter, bunter Haufen. Da war der Fischer, der obwohl in der Sowjetrepublik Georgien geboren, seit 1994 Ukrainer ist und der seine georgischen Eltern in Batumi besuchte, oder die beiden Mädels, die ihr Studium in Polen beendet hatten und nun, per Anhalter mitsamt ihren 120 Kilo Handgepäck, auf dem Heimweg zu ihren Familien in Armenien waren, oder der Oxford Absolvent, der beschlossen hatte, trotz geschlossener Grenzen, seinen beiden englischen Freunden seine tschetschenische Heimat zu zeigen, zu Fuß über Schmugglerpfade durch den Hohen Kaukasus. Ja und die Architektin aus Straßburg, die immer wieder versucht hatte französische Literatur an ihren befreundeten Romanistikprofessor in Tibilisi zu senden und, ob der Erfolglosigkeit dieser Versuche, sich einfach ins Auto setzte und sich selbst auf den Weg machte. So bunt wie die Gesellschaft an Bord, so bunt ist auch die Welt des Kaukasus.  

Alleine in Georgien, einem Land so groß wie Bayern, aber mit lediglich 4,5 Millionen Einwohnern, treffen 25 verschiedene ethnische Gruppen aufeinander. Im Osten die Kachetier, im Westen Imeretier, Adscharier und Mengrelen, in den Bergregionen die Swanen, Tuschen und Pschawen und verschiedene kartwelische Stämme, die sich einheitlich als Georgier verstehen. Dazu kommen noch Aserbaidschaner, Armenier, Russen, Osseten, Abchasen, Aramäer, Jessiten, Türken, Kurden, Tschetschenen und andere.

Um es kurz zu machen, wir haben Batumi, den südlichsten Hafen Georgiens und die Hauptstadt der autonomen Region Adscharia nach fast 70 Stunden auf der MS „Greifswald“ erreicht, haben nach endlos langem Warten nachts um Eins das Schiff verlassen können und haben uns in die unbekannte, regnerische Nacht gestürzt.

Blick auf Batumi

Unser Los, keine Landeswährung, keine Ortskenntnisse, nichts fürs Frühstück und den unbedingten Willen jetzt endlich schlafen zu wollen, teilten noch einige Biker aus Polen und Tschechien und "unsere" besonders mutige Französin mit ihrem kleinen BMW. In der Hoffnung vor dem botanischen Garten Batumis einen Parkplatz zu finden machten wir uns nach Norden auf und schlugen unser Camp wirklich vor dem Tor des Gartens auf, nur der Parkplatz war verschlossen und unerreichbar. Warum ausgerechnet vor dem Botanischen Garten? Weil Roland eingefleischter Geocacher ist und einer der 16 in Georgien versteckten Caches hier zu finden sein soll. Dachte er, aber wie sich am anderen Tag bei unserer Wanderung durch den wirklich sehr sehenswerten Garten herausstellte, blieb dieser Cache für uns unauffindbar.

Zurück nach Batumi, das schon vom Schiff aus einen Eindruck machte, als hätte sich hier Las Vegas eine Moschee und einen türkischen Bazar geleistet. Geld tauschen, einkaufen, losfahren. Wir wählten die Südstrecke nach Osten, während sich der BMW bereits in den frühen Morgenstunden über die nördliche, gut asphaltierte Fernstrasse nach Tibilisi aufgemacht hatte und die Biker ihrer eigenen Wege gezogen waren.

An diesem Tag schafften wir auf der recht gut asphaltierten Strasse etwa 60 Kilometer nach Osten, besuchten zwei über zweitausend Jahre alte historische Brücken und liessen uns gegen 18 Uhr von einer kleinen Holzbude am Straßenrand zu einem Stopp einladen. Die beiden Besitzer dieses Ladens verkauften Eis am Stil, das bereits zwei Wochen veraltet war, Bier und andere lebenswichtige Dinge an Reisende. Wasser ließ sich aus einem am Straßenrand stehenden Rohr nehmen, das direkt aus einer Quelle vom Berg gespeist wurde. Dunkle Wolken aus Südwesten, die über die ersten Berge des Kleinen Kaukasus aufzogen, überredeten uns für heute nicht weiter zu fahren. Kaum waren die Kocher wieder eingepackt gab es noch zwei Besucher. Der erste war der Ladenbesitzer, der uns zuvor ja gesagt hatte, dass wir auf diesem Platz recht gut stehen würden. Ihm sei das Brot nicht geliefert worden und ins Dorf sei es so weit, ob wir ihm nicht aushelfen könnten? Wir konnten. Der zweite war ein recht zivil gekleideter Mann, der sich nach unserem Woher und Wohin erkundigte und uns dann versicherte, er sei Polizeioffizier, wohne in dem Haus dort am Hang und wenn uns irgendjemand belästige, dann würde er uns gerne helfen.

Vorrömische Brücke in Georgien

Noch zwei, dreimal begegneten oder hörten wir von solchen Polizisten in Zivil. Zumeist sind dies ehemalige Polizisten, die seit ihrer Entlassung keine Beschäftigung mehr haben, hatten wir von der Mutter des georgischen Präsidenten Saakaschwili auf einer Vortragsreise in Szczecin erfahren. Ihr Sohn habe ganz einfach den gesamten korrupten Polizeiapparat von einem Tag auf den anderen entlassen und dann eine neue Polizei aufgebaut, hatte sie erzählt.  Und wirklich waren wir schon in Batumi erstaunt gewesen, dass die Polizisten des Grenzschutzes nicht nur freundlich, sondern auch noch englischsprachig waren, dass Streifenwagen immer mit Blaulicht fuhren, damit man sie schon von weitem erkannte und dass die Polizeistationen, zumindest die neu gebauten, gänzlich aus unverspiegeltem Glas gebaut waren, damit man einfach sehen konnte, was drinnen vorgeht. Wir blieben bei unserem schon aufgeschlagenen Nachtlager gleich unterhalb des, aus dem Laubwald ragenden, Minaretts und obwohl Adscharien überwiegend muslimisch ist, ein Relikt der im 19. Jahrhundert zu Ende gegangenen osmanischen Zeit, weckte uns kein Muezzin und so konnten wir nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück den neuen Tag zuversichtlich angehen.

Vor dem Guderzi Pass

Nach zwanzig Kilometern, mitten im kleinen Ort Khulo, hört der Asphalt auf. Die Hauptstrasse wird zur ausgefahrenen, teils vom Wasser zerfurchten Schotterpiste. Wie machen das nur die Mercedes und Transits, die uns in atemberaubendem Tempo entgegen kommen? Wir gewinnen an Höhe und erreichen das „Cafe Edelweiss“. Ja so steht es wirklich in lateinischer Schrift an einer netten Bretterbude auf dem Scheitelpunkt des Goderzi Passes in 2025 Meter Höhe. „Do you guyes speak English?“ fragt uns ein junger Mann, der nicht wirklich aussieht wie die einheimischen Andenkenverkäufer und Hirten. Es ist Dave, leicht angeschlagen von der letzten Nacht, die er mal wieder bei einer der gastfreundlichen georgischen Familien verbringen musste. Dave stammt aus Amerika, träumt von einer Weltumrundung mit dem Bike und unterrichtet seit fast zwei Jahren hier in der tiefsten Provinz des Ostens English. Wir laden ihn zum Kaffee ein und hören atemberaubende Geschichten von vier Metern Schneehöhe und langen, durchzechten Nächten mit ganzen Flüssen aus Tschatscha, wie der heimische Hochprozentige hier heißt. Kaum zu Ende erzählt wird er schon vom Nachbartisch eingeladen, zum Bier versteht sich, doch Dave wehrt sich in für uns perfektem Georgisch. Seine Freundin versichert uns, das könne man schon in drei Monaten erlernen, schließlich müsse man nur das Alfabeth beherrschen und alles werde so gesprochen wie geschrieben. Na dann „Matloba“ - Dankeschön, wir wollen weiter.

Hinter dem Guderzi Pass

So abrupt wie der Asphalt aufhörte, so plötzlich ist er, 50km weiter in Zarzma, wieder da. Die kleine Pause zur Mittagszeit nutzen die einen etwas zu essen, die anderen besuchen das dortige Kloster und damit unsere erste, typisch georgische Kirche mit wunderbar erhaltenen Fresken aus dem 14. Jahrhundert. In der Mittagshitze halten die Mönche Siesta und so können wir ganz ungestört den wunderschön angelegten Klosterhof und ihre in der Sonne stehende Kakteensammlung betrachten.

Klosterkirche in Zarzma/Georgien

Uns bringt der Asphalt weiter nach Akhaltsikhe, wo wir kurz hinter der aufwendig restaurierten Festung auf den Fluss Mtkwari, die Kura stoßen. Dieser aus dem türkischen Teil des Kleinen Kaukasus stammende Fluss ist der grösste Fluss im Kaukasus und für die Georgier so etwas wie der Rhein für die Deutschen. Festungen und Burgen, Klöster und Städte erzählen die Jahrtausende alte Geschichte dieses Landes und seiner Bewohner. Nur kurz verweilen wir an den Ruinen der aus der Vorzeit stammenden Festung Ackuri. Es ist zu heiß um den steil aus dem breiten Flusstal aufragenden Felsen zu erklimmen.

Festung Ackuri an der Kura/Georgien

Schon geht es weiter nach Borjomi, der Hauptstadt des Mineralwassers. Ein kurzer Einkauf, ein Foto von Lenin, der hier einst das sehr mineralhaltige Wasser pries und wir fahren weiter. Stopp, da war doch noch so ein neu gebauter Glaskasten, Tourisminformation stand dran. Also nichts wie rein. Klar spricht man hier Englisch und versorgt uns mit einer ganzen Reihe von Regionalkarten, die zwar nicht topografisch sind, aber die interessantesten Punkte jeder georgischen Region ausweisen. Von Borjomi fahren wir nach Süden, raus aus dem breiten und verkehrsreichen Tal des Mtkwari, der sich eiligen Laufs Richtung Gori, Tbilisi und weit hinter der aserbaidschanischen Grenze ins Kaspische Meer begibt.

Die Kura, der größte Fluss im Kaukasus

Beim Dorf Tsaghveri biegen wir ab und besuchen noch das Kloster Kimotesubani. Das kleine Anwesen besticht nicht nur durch seine Architektur und die Fresken, für deren Erhalt es vor einigen Jahren sogar mit dem Europa Nostra Preis ausgezeichnet wurde, sondern auch durch einen Traktor, der mit einem wunderschönen Lamborghini-Motor arbeitet. Die paar Brocken Deutsch, die einer der Mönche mit uns wechselt, reichen nicht aus und sofort geht der Laienbruder, der eigentlich den Devotionalienkiosk betreut, los einen weiteren Mönch zu holen, der uns in fliessendem Englisch die Geschichte des Ortes und des Klosters erzählt.

Kloster Kimotesubani/Georgien

Dabei hören wir von hühnenhaften Rittern, die sich allein gegen die aserbaidschanischen Heerscharen stellten, gefangen und auf grausamste Weise gehäutet wurden, zu Lebzeiten aber schon die Kirche stifteten und heute als Heilige an Gottes Seite sitzen. Sie alle sind zu sehen in den wunderbar restaurierten Fresken die aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts stammen und zu den wohl herausragendsten mittelalterlichen Wandmalereien Georgiens zählen. Noch ein paar Kilometer und ein wunderschöner Platz für unser Biwak, mit einem angenehm rauschenden Gebirgsbach ist gefunden. Genug für heute.

Camp im Kleinen Kaukasus

Der neue Tag bricht an und wir folgen unserem kleinen Fluss aufwärts. Irgendwo soll es hier eine Strasse geben, die uns wieder nach Norden bringt. Kilometer für Kilometer zieht sich der manchmal recht ausgefahrene Waldweg hin, bis wir auf einen Lada Niva treffen, dessen Besatzung uns versichert auf dem richtigen Weg zu sein. Wir durchfahren fast verlassene Siedlungen auf 1800 Meter Höhe, werden mit Handschlag begrüßt, als wir nach dem weiteren Weg fragen und genießen eine der schönsten, völlig verkehrsfreien Passagen durch den Kleinen Kaukasus. Berauschend die Vielfalt der Blumen und Pflanzen, die unseren Weg säumen, genauso wie die wunderschönen Blicke in eine Bergwelt jenseits der Baumgrenze bei 2000 Metern Höhe.  Auf der anderen Seite dieser völlig unbefestigten Passstrasse gelangen wir in ein Tal der neuen Klöster. Fast unwirklich scheinen die Mönche, die in ihren schwarzen Habits als Holzfäller arbeiten und mit einem kleinen russischen Allradtransporter Baumstämme aus dem Wald fahren. 

Bergisedlung im Kleinen Kaukasus/Georgien

Passstrecke durch den Kleinen Kaukasus/Georgien


War es an diesem Tag oder an einem anderen, als wir plötzlich an einer Neubausiedlung vorbeifuhren. In Reih und Glied stehen die Häuschen entlang der Strasse, in den kleinen Gärten sieht man vereinzelt Frauen bei der Arbeit. Eine wohl als Muster gebaute Siedlung für die Flüchtlinge des erst vier Jahre zurückliegenden Krieges zwischen Georgien und Russland, bei dem tausende von Georgiern aus ihren Häusern und Dörfern in Südossetien vertrieben wurden. Wunden dieses Krieges werden auch an den Wohnblocks der unfreundlich scheinenden Stadt Gori sichtbar. Wir aber fahren noch ein Stück weiter und suchen uns einen Biwakplatz unweit der Höhlenstadt Uplistsikhe, die wieder am Mtkwari liegt. Unser Versuch die Höhlenstadt, die heute Museum ist, zu besuchen scheitert an den Öffnungszeiten. Erst um 11Uhr wird geöffnet, sagen die Wachleute, doch so lange wollen wir nicht warten. Ein Blick muss hier also reichen und weiter geht es über die kleine Landstrasse südlich des Mtkwari in die historische Hauptstadt Georgiens nach Mtskheta.

 

Höhlenstadt Uplistsikhe Georgien

Wie alle touristischen Sehenswürdigkeiten Georgiens ist auch die völlig neu erscheinende alte Hauptstadt gut ausgeschildert und einfach zu erreichen. Dieses am Zusammenfluss des Aragwi und der Kura gelegene Städtchen zählt zu den schönsten in ganz Georgien. Während unsere niederländischen Mitfahrer sich auf die erfolglose Suche nach einem nur für 4wheel-drive erreichbaren Geocache machen, beschließen wir verbliebenen vier dem Herzstück Mtskhetas, rund um die aus dem Anfang des 11. Jahrhundert stammende Kathedrale, einen Besuch abzustatten. Sie steht heute als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO und gilt als eines der bedeutendsten sakralen Baudenkmäler Georgiens.

Krönungskirche in Mtskheta

Zugleich ist die Kathedrale Sitz des Patriarchen der georgischen orthodoxen Kirche, Grabstätte zahlreicher Könige und war in ihrer Geschichte Krönungsort. Der gewaltige, in typischer Weise als Kreuz errichtete Bau, den eine 16 fenstrige Kuppel krönt ist von allen Seiten sehenswert. Reich verziert und aus verschiedenst farbigen Natursteinen errichtet, ist sie auch in ihrem Inneren ein eindrucksvolles Kunstwerk aus Fresken und architektonischen Meisterwerken. Außerhalb der von einer Wehrmauer umgebenen Kathedrale finden sich, vermutlich neu entstandene Häuser, die sehr deutlich zeigen, wie eine alte georgische Stadt einmal ausgesehen haben muss, bevor Eternit und kommunistische Einheitsbauten ihren Charakter völlig veränderten. Natürlich waren wir nicht die einzigen Besucher, denn davon hätten die Kioske, Butiken und Andenkenläden ja auch nicht leben können. Und auch der  riesige, neu angelegte und leider völlig schattenfreie Parkplatz zeigte das. Aber die zahlreichen, hier parkenden Kleinbusse aus der nur 30km entfernten Hauptstadt, waren nicht nur mit ausländischen Gruppen gefüllt.  Mit viel Engagement und auch mit viel Geld versuchen die regierenden Kräfte die Geschichte dieses Landes wieder sichtbar zu machen, um zugleich den heutigen Georgiern auch ein Stück ihrer Identität wieder zu geben.

Kreuzkirche hoch über Mtskheta


Gegenüber der alten Hauptstadt, hoch auf einem Berg gelegen, liegt eine der ältesten Kirchen Georgiens, die Kreuzkirche. Für uns ein Grund den Weg dorthin zu suchen. Von hier oben erstreckt sich der weite Blick auf Mtskheta und die beiden Flüsse Mtkweri und Agwari.

Blick von der Kreuzkirche auf Mtskheta

Den einen werden wir hier verlassen, dem anderen wollen wir nach Norden folgen. Er kommt aus dem Grossen Kaukasus und war seit Jahrhunderten Teil jenes Weges den die Karawanen der Händler und Soldaten von Nord nach Süd durch den Kaukasus zogen. Erst im 18. Jahrhundert ließ die zaristische Armee unter General von Tottleben die Strasse ausbauen, um damit im 5. Türkenkrieg eine Nachschubverbindung zu  schaffen. Seitdem trägt sie den Namen Georgische Heerstrasse und zählt zu den Strecken von denen alle Georgienfahrer träumen. Also nichts wie los.

Auf der georgischen Heerstrasse

Camp bei Ananuri/Georgien

Wenig romanisch beginnt sie als Autobahn, verändert sich aber bald in eine normale Landstrasse. Diesen Charakter verliert sie kaum, die wirklich viel befahrene Strecke zum einzigen geöffneten Grenzübergang zwischen Georgien und Russland. Erst mit der größten Talsperre Georgiens windet sich die Strasse ein wenig nach oben und gibt dann einen wunderschönen Blick auf die Festungskirche von Ananuri frei. An ihrem Fuß schlagen wir für heute unser Camp auf. Mutige schaffen es sogar sich durch das braune Wasser am Ufer hindurch in den offenen See zu wagen.  Wir sind die Heerstrasse nur wenig weiter als Stepansminde gefahren. Ein kleines, gefühlte 20 Kilometer langes Stück ist auch heute noch eine schwer zerstörte und staubige Schotterpiste, etwa ab dem Aussichtspunkt nördlich des Skiortes Gudauri. Hier unter dem riesigen von sozialistischem Realismus und kommunistischer Folklore geprägten Sowjetrelief der sowjetisch-georgischen Freundschaft liegt der zweite Cache, den Roland erfolgreich heben konnte. Der erste war schon in Gudauri seiner Liste hinzugefügt worden. Übrigens trägt dieser letzte Cache nicht umsonst den Namen Magic View, denn der Blick von hier auf die Bergwelt des Grossen Kaukasus ist wirklich atemberaubend.

Blick in den Hohen Kaukasus an der Georgischen Heerstrasse

In Stepansminde, das bis vor einigen Jahren noch Kazbeg hieß, versorgen wir uns mit Lebensmitteln, Karten und aktuellen Informationen, die uns noch ein paar Kilometer weiter führen, zu einem wunderschönen Spaziergang, der an einem imposanten Wasserfall endet. Von dort geht es zurück zum Ort, denn jetzt, am späten Nachmittag erscheint es die richtige Zeit mit möglichst wenig Gegenverkehr den engen Weg hinauf zur kleinen Gerethi Kirche am Fuße des Kasbek-Massivs unter die Reifen zu nehmen.  Auf 2170m Seehöhe gelegen gilt sie als höchste Kirche Europas.

Camp am Gergeti Kloster/Georgien

Gemeinsam mit zahlreichen Alpinisten aus Polen, Russland und Tschechien, die in den nächsten drei Tagen den 5033m hohen Kasbek ersteigen wollen, übernachten wir auf den Almwiesen gleich unterhalb der Kirche. Ach ja der Kasbek, hier hatten einst die Götter den Prometheus angekettet, weil er ihnen das Feuer gestohlen und es den Menschen gebracht hatte. Er ist eine Legende für sich, aber er ist launisch. Uns hat er nur ein kleines Stück seines Gletschers gezeigt, aber seinen Hut aus Wolken, der seinen Gipfel umgab, den hat er nicht vor uns gezogen. 

Der Kasbek versteckt sich hinter den Wolken

Der Rückweg ist wenig spektakulär, heißt es doch die Heerstrasse wieder nach Süden zu fahren. Allerdings trafen wir hier, für einen kurzen Moment, auf die ersten beiden Schmutzgeier, die sich aber schnell wieder hinter einem Felsvorsprung versteckten. Am Südende des Stausees queren wir den Aragvi und fahren an der Ostseite des Sees wieder nach Norden, hinein in den großen Kaukasus. Alle Reiseführer, die wir mithaben, raten dazu sich am Anfang des Tales mit Brot und Lebensmitteln zu versorgen, weil es bis zur tschetschenischen Grenze keine weiteren Einkaufsmöglichkeiten gebe. Gesagt getan, es gibt ja auch nur einen Laden, oder besser gesagt eine Bäckerei, oder eine Warteschlange, denn alle warten darauf, dass das köstliche Fladenbrot heiß und frisch aus dem Ofen kommt, versorgen sich mit Bier und Tomaten und einer Spezialität der Gegend, in ganz flachen Fladen ausgerollte getrocknete Früchte.

Reges Treiben am Laden in Chinti/Georgien

Während wir warten und miteinander auf Deutsch und Englisch ein wenig plaudern, sagt ein junger Mann aus der Schlange, oh Deutsch, das können wir auch. Und die neben ihm sitzende Frau spricht in akzentfreiem Polnisch na klar können wir das. Urlauber aus Berlin. Er, Georgier, als Student in Deutschland geblieben besucht nun mit seiner polnischen Frau und den Kindern seine Eltern. So klein ist die Welt. Natürlich muss er sich nun allen unseren Fragen stellen, die sich in den vergangenen Tagen angehäuft haben, wobei er mit stoischer Gelassenheit immer wieder betont dass dieses Land nur eine Zukunft in der Kooperation mit dem Westen habe. Russland, so sagt er, sei der Garant dafür, dass es keine georgische Selbstständigkeit gebe und dass es auch keine besseren Lebensumstände für die Menschen in diesem Land geben werde.

Bäckerei in Chinti/Georgien

Aus der Asphaltstrasse wird endlich eine Schotterpiste und später eine schön zu fahrende Piste, die uns auf  den 2676m hoch gelegenen Pass in Richtung Shatili bringt. Hier treffen wir auf einen Pathfinder mit blauem Nummernschild und der Aufschrift EUMM. Die Abkürzung steht für European Union Monitoring Mission, eine zivile Beobachtergruppe, deren 200 Mitarbeiter seit dem Krieg 2008 besonders an den Grenzen zu den von Russland assoziierten Gebieten Abchasien und Südossetien patrollieren.

Europäische Begegnung im Kaukasus

"Es ist friedlich hier, ein wunderschönes Land, aber unsere Aufgabe ist es vor allem das Temperament der hier lebenden Menschen zu besänftigen“ sagt uns der EUMM Mitarbeiter. Dabei hilft er, scheint’s, auch sonst ganz gerne, denn sein Auto ist voll mit Rucksacktouristen, die sicher an diesem Abend keinen Lift mehr aus dem Tal heraus bekommen hätten.   Friedlich sieht es aus, das Land mit seinen großen, von Wolfshunden geschützten Schafs- und Ziegenherden, mit den weidenden Eseln und vereinzelten kleinen Wachtürmen, die seit dem Mittelalter die Karawanenstrassen des Kaukasus beschützen. Im Angesicht eines solchen Turmes schlagen wir unser Nachtlager auf.

Mittelalterlicher Wachturm im Kaukasus/Georgien

Es wird Dunkel und wir sitzen alle beim Schein einer Kerze zusammen, als neben uns auf der Strasse ein Auto hält. Die Scheinwerfer gehen aus und sprichwörtlich Nichts geschieht. Nach einigen Minuten der Nervosität gehen wir hin und fragen in einer bunten Mischung aus Russisch, Englisch und Polnisch ob wir helfen können. Auf mich machen die 5 Insassen des KZJs einen fast erleichterten Eindruck, dass sie hier auf einige der wenigen Westtouristen und nicht etwa auf eine Patrouille getroffen sind. Wer weiß womit die jungen Männer ihr Geld verdienen, wir sind schließlich nur etwa 20 Kilometer von Tschetschenien entfernt. Am Ende des Tals, nur 3 kilometer vor Tschetschenien, erreichen wir Shatili, eine imposante, in ihren Anfängen aus dem 7. Jahrhundert stammende Siedlung, die bis heute erhalten geblieben ist. Sie besteht aus 60 Wohntürmen, die alle miteinander durch Dächer und Brücken verbunden sind. Es sieht aus, als hätte jemand dekorativ Türmchen zusammengeklebt, geschaffen aus dem dunklen Fels der Umgebung. Ein lohnenswerter Anblick für den langen Weg in diese Sackgasse, die wir heute wieder zurückfahren.

Wehrsiedlung Shatili in Georgien

Auf dem Weg nach Shatili im Hohen Kaukasus/Georgien

Ein wenig drängt die Zeit und wir wollen doch noch soviel sehen in diesem fremden und so weit entfernten Land. Also trennen sich in den beiden nächsten Tagen unsere Wege. Albert und Waltraud fahren direkt von Shatili nach Westen, Roland und Erik folgen ihnen einen Tag später, schließlich warten in der Türkei noch ungehobene Caches. Wir bleiben noch ein wenig in Georgien und erreichen als nächstes den Osten des Landes, die Region Kachetien, die Heimat des Weines.

Weinland Georgien her bei Alawerdi

Alawerdi in Georgien

Unweit von Telavi finden sich mitten auf dem platten Lande und vor dem Hintergrund des in der Ferne aufragenden Kaukasus die Kathedrale und das Kloster Alawerdi. Als wir sie besuchen wollen, werden wir darauf hingewiesen, dass  wir derzeit nur bis zur Türe dürften, da gerade ein Gottesdienst stattfände. Die wenigen Gläubigen in der riesigen Halle störte unsere Anwesenheit genauso wenig, wie die im freien Raum der Kirche spielenden Kinder. Hier habe ich das erste Mal das deutsche Wort Weinstock verstanden, denn hinter der Wehrmauer des Klosters rankten sich die Reben jede einzeln an Stöcken in die Höhe.

Weinstöcke in Alawerdi / Georgien

Wirklich eindrucksvoll aber war unser Besuch in Ikalto bei den Resten des im 6. Jahrhundert gegründeten Klosters.  Das einst weit über die Grenzen Kachetiens hinaus als philosophische, aber auch als Weinbau-Akademie bekannt war. Alleine die harmonische Architektur der noch erhaltenen und restaurierten Kirche, die Ruinen der Akademie und der anschließenden Weinpresse, die großen Amphoren, in denen im Boden versenkt der Wein gelagert wurde, machten auf uns einen Eindruck der Vollkommenheit. Kein Wunder dass viele georgische Adelige in der vorkommunistischen Zeit diesen Ort als ihre letzte Ruhestätte ausgewählt hatten. Die meisten der Grabmäler aber seien, so erzählte uns beim Wassernehmen an der Klosterquelle ein Familienvater, von den Kommunisten zerstört und vernichtet worden, um das Andenken an die Geschichte unseres Landes zu vernichten. Als wolle die Natur seine Worte unterstreichen ziehen hoch über uns zwei Kaiseradler ihre Runden.

Ikhalto in Georgien

Unsere Fahrt führt uns weiter in den Süden Kachetiens. Nach einem Zwischenstopp in Gurjaani, wo uns eine uralte Linde an der einzigen zweitürmigen Kirche Georgiens mit wunderbarem Schatten verwöhnt geht es weiter. Auch wenn unsere Zeit es nicht zulässt in den äußersten Südosten zu reisen, so wollen wir doch eine ersten Eindruck von der Steppe, der Halbwüste im Grenzland zu Aserbeidschan bekommen. Und es ist eindrucksvoll, was wir hier zu sehen bekommen, nachdem wir uns mit einem guten Kebab am Straßenrand gestärkt hatten. Je weiter man hinein fährt in diese weite von teils bizarren Hügeln durchfurchte Landschaft, desto einsamer und kleiner fühlt man sich. Die halbausgetrockneten Wasserflächen in den Senken leuchten mit ihren vom Salz weißen Ufern. Stelzenläufer und andere Watvögel rasten auf ihrem Zug und suchen hier Nahrung. Mitten in dieser von der abendlichen Sonne rot gefärbten Einsamkeit liegt eine Siedlung, die schon von weitem nichts als kommunistische Trostlosigkeit zu kennen scheint. Ohne Strauch, ohne Baum, ohne Wasser waren Menschen aus dem waldreichen Bergregionen Swanetiens in die Wüste umgesiedelt worden. So wie an vielen anderen Orten ist auch hier versucht worden Menschen zu entwurzeln und damit den neuen, den kommunistischen Menschen zu schaffen. Zwei junge Frauen laufen durch die Siedlung. Wir fragen nach dem Weg und in bestem English antworten sie uns, dass wir richtig seien und so zum Kloster David Garedzha gelangen würden.

Halbwüste Garedja im Südosten Georgiens

Davit Garedji Kloster in Georgien

Erst am nächsten Morgen gelingt es uns durch die östlichen Klosterbauten hindurch auf die westliche Seite des Höhenzuges zu kommen. In den alten Höhlen die heute bereits auf der aserbaidschanischen Seite der Grenze liegen, finden sich Fresken, die in ihrer Leichtigkeit kaum ihresgleichen kennen. Trotz der Grenze ist auch die Höhlenseite frei zugänglich und Touristen werden lediglich freundlich von Grenzschützern beider Seiten beobachtet. Hier in David Garedzha begegneten wir ihnen dann, den Geiern des Kaukasus. Zuerst war es nur einer, doch bald kreiste eine kleine Gruppe von 5 Schmutzgeiern über uns und zu unseren Füssen lief ein kleiner Drachen seines Weges, eine Kaukasusagame, die sich noch schnell für ein Foto in Positur stellte.

Fresken im Felsenkloster Davit Garedji

Bargeier bei Davit Garedji

Kaukasusagame bei Davit Garedji

Entlang der Grenze führt eine Schotterpiste nach Westen zur Industriestadt Rustawi, die wir passieren wollten. Nur konnte uns keiner sagen, ob dieser Weg auch existiert und passierbar sei. Befragte Taxifahrer meinten wir sollten es gar nicht erst versuchen, doch der Mönch im Klosterladen sagte motivierend, man kann sich gar nicht verfahren, lediglich der zu passierende Truppenschiessplatz könne bei aktivem Übungsbetrieb ein Hindernis darstellen. Geübt wurde nicht und so setzten wir unseren Weg nach Westen ungestört fort, erreichten den Kleinen Kaukasus wieder und gelangten über Akhalkalaki zur Felsenstadt Vardzia. Unterwegs trafen wir wieder auf ein polnisches Alpinistenpaar, das bereits vor Tagen den Kasbek bezwungen hatte und sich nun mit ihrem PKW noch ein wenig Georgien ansah. Nach einer Pause auf dem Bazar in Akhalkalaki entschieden wir uns gemeinsam die Hauptstrecke nach Vardzia zu nehmen, eine gut ausgebaute Strasse durch einen eindrucksvollen Canon entlang des Flusses Parawani.

Bazar in Akhalkalaki / Georgien

Dort wo er in die Kura mündet, steht die Festung Chertwisi, ein typisches Beispiel für eine Burg, hoch aus dem Flusstal aufragend. Die Legende sagt, hier sei bereits durch Alexander den Grossen eine Festung angelegt worden. Wir fahren dem Lauf des Mtkwari entgegen in Richtung Süden und gelangen, nach passieren einer weiteren, nicht weniger malerischen Festung nach Vardzia, ein Muss für jeden Georgienreisenden.

Höhlenstadt Vardzia an der Kura / Georgien

Vardzia ist die wohl größte erhaltene Felsenstadt der Region. Angelegt im 12. Jahrhundert als Truppenlager bestand die Siedlung aus ursprünglich über 3000 Höhlen von denen heute noch 250 als Museum zugänglich sind. Von weitem sieht die in einer Höhe 80 bis 100 Metern über dem Fluss schwebende Wand aus wie eine Bienenwabe. Wir bezahlen die 3 Lari Eintritt und lassen es uns nicht entgehen durch die Stadt zu wandern und sie über den einstmals geheimen Treppengang in das Flusstal wieder zu verlassen. Unser Lager schlagen wir am Flussufer, gleich unterhalb der Felsenstadt auf, die im Dunkeln plötzlich Licht in einer der Höhlen zeigte. Zwei Handtücher,  morgens zum Trocknen über die Balustrade der Höhlenstadt aufgehängt, waren der Beweis für das menschliche Leben und dafür, dass die Mönche die das Kloster der Festung bewohnen, reinliche Personen sind.

Blick auf die Höhlenstadt Vardzia / Georgien

Der Höhlenwand gegenüber führt eine schlecht gewartete Fahrspur den Hang hinauf. Über 700 Meter Höhenunterschied überwinden wir in steilen Serpentinen mit Blick auf die Höhlenstadt bis wir auf der Hochebene ankommen. Dort sieht die Welt ganz anders aus und bei weitem nicht angenehmer. Eternit gedeckte Einheitsbauten ducken sich im Wind, verbunden von Kabeln, die an schief stehenden Holzpfählen hängen. Eine offene Viehtränke, die wohl auch den Menschen Wasser liefert und Satellitenschüsseln, damit die langen Abende kurzweiliger werden. Viehhirten stehen neben Schaf- und Rinderherden in dieser flachen, halb vertrockneten Weidelandschaft. Relikt einer Zeit in der alle gleich waren. Der Viehdung, getrocknet und gestapelt liegt als Heizmaterial für den kalten Winter bereit. Auch das ist Georgien, die Welt der Cowboys, die sich nie ein Pferd leisten konnten. Diese heute extensiv genutzte Weidelandschaft scheint ein Paradies für Greifvögel zu sein, Adlerbussard und Zwergadler lassen sich beobachten und ich meine sogar einen Schlangenadler gesehen zu haben. Doch uns führt es weiter nach Norden, dorthin wo die Landschaft wieder bergiger und waldiger wird.

Kolchosensiedlung Apnia / Georgien

Die ersten Kilometer nördlich Akhalkalaki trägt uns eine völlig neu verlegte, glatte Asphaltstrasse, aber dann kehrt die gewohnte, staubige Schotterpiste zurück. Wunderschöne Aussichten auf die Hochtäler des Kleinen Kaukasus bieten sich, nur leider mal wieder kein einziger Wegweiser. Oben, auf dem Pass, bei 2454 Metern Höhe, dann eine Flagge, ein blauer Container und ein nagelneuer Landcruiser mit der Aufschrift Police. Also halten wir an und gehen in die Hütte, wo die erschreckten Polizisten erst einmal ihre Kaffeetassen vom  einfachen Bollerofen rücken. Einer spricht Englisch, zwei weitere Russisch und so bestätigen sie uns auch gleich, auf dem richtigen Weg zu sein. Nur leider, Sir, wir müssen noch ihre Pässe kontrollieren, das ist hier leider eine notwendige Formalität. Na, denn... Minuten später fahren wir weiter und genießen bei strahlendem Sonnenschein die serpentinenreiche Talfahrt vorbei an den von wildem Rhododendron bestandenen Hängen.

Pass im Kleinen Kaukasus

Polizeistration auf dem Pass im Kleinen Kaukasus / GeorgienÜber den Skiort Bakurjani, der sich mit seinen vielen Pensionen und kleinen Hotels kaum von einem Ort in den Alpen unterscheidet, erreichen wir Borjomi. Ein kurzer Abstecher in das Besucherzentrum des Nationalparks und wir sind um eine Landkarte reicher, aber auch um das Wissen, dass im Nationalpark keine Autos geduldet sind, man nur mit einem Guide zu Fuß oder per Pferd auf Tour gehen darf und dass im Park schon vor Jahren 90 Braunbärfamilien gezählt wurden, Tendenz steigend. Wir wollen weiter nach Norden und wählen die Strasse über Abastumani nach Kutaisi. Doch schon nach kurzer Zeit erschreckt uns ein großes Schild Nationalpark und ein Schlagbaum. Dahinter ein voller Parkplatz, daneben eine Försterei. Der Förster oder Ranger kommt ans Auto, ja kein Problem, ihr könnt weiterfahren, aber ihr müsst euch hier in das Buch eintragen, ja und campieren könnt ihr auch, wenn die Viehhirten nichts dagegen haben. So landen wir auf einer der schönsten von uns befahrenen Strecken, die offenkundig mitten durch den westlichen Teil des Nationalparks führt. 

Almlandschaft bei Borjomi / Georgien

Gleich hinter unserem kleinen Camp beginnt der Weg sich bergauf zu winden. Die Passhöhe liegt bei 2182 Metern, da haben wir bereits seit einigen Kilometern den Wald verlassen und wieder wunderbar freie Sicht auf saftige, blumenreiche Almwiesen. Selbst Schweine halten sich die Hirten hier und die laufen, wie Kühe und Schafe, frei umher. Wilder Rhododendron, verschiedene Enzianarten und selbst Orchideen stehen am Wegesrand. Auf einer der Almen kaufen wir einen Käse, der frisch aus der Lake genommen und uns fast schon zeremoniell überreicht wird. Und dann ist es vorbei mit dem schönen Wetter. Auf der nördlichen Seite der Berge hängen die Wolken so tief, dass wir uns langsam im Nebel heruntertasten. Aber auch das geht vorbei und wir erreichen eine fast unwirkliche Welt.

Wetterumschöag im Kleinen Kaukasus

In der Karte steht zwar Thermalbad, aber wer hätte so was schon erwartet. Neue Hotelbauten aus Holz und Glas, überall wunderschön blank geputzte SUV mit georgischen, aserbeidschanischen und armenischen Nummerschildern, gepflasterte Trottoirs und drei nummerierte Wasserpumphäuser in denen man nach Herzenslust vom köstlichen Mineralwasser zapfen kann. Der Automat fordert lediglich die Angabe ob es 200, 500 oder 1000 Milliliter sein sollen. Am Ende dieser Welt eine moderne Schrankenanlage, die zwar freie Ausfahrt gewährt, jeden der rein will aber zur Kasse bittet. Wir kommen zum Glück von der falschen Seite und können kostenfrei ausfahren.  

So langsam läuft auch uns die Zeit davon. Wir sind immerhin noch über 4000km von zuhause entfernt. So entschliessen wir uns, diesmal auf den Besuch einer weiteren Ecke Georgiens zu verzichten. Ein wenig hilft uns auch das Wetter bei dieser Entscheidung, denn Swanetien liegt wieder im Hohen Kaukasus und was soll man in den Bergen, wenn die Wolken doch so tief hängen. Aber nach Kutaisi und vor allem in das gleich benachbart liegende Kloster Gelati, da wollen wir noch. Gesagt getan und so besuchen wir noch am selben Abend diese Gegend in der schon Jasos und die Argonauten das Goldene Vlies geholt haben; genießen noch einmal einen Blick auf uralte georgische Fresken und einen der wirklich sehenswerten Klosterkomplexe dieses Landes; bevor wir uns auf die Fernstrasse schwingen und über Batumi und den Grenzübergang Sarpi in die Türkei und weiter nach Nordwesten fahren.

Kloster Gelati / Georgien

Über die Türkei, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien kamen wir dann wieder nach Polen und erreichten so schliesslich auch wieder Szczecin, das ja nur einen Katzensprung vor der Ostsee liegt, doch das ist schon eine ganz andere Geschichte. Eines aber ist uns klar. Es war nicht unser letzter Besuch in diesem Land, das Gott den Georgiern geschenkt hat.

Der Überblick 4x4 eastward Touren und Reisen





4x4eastward

Offroad & Abenteuer

worauf sie und ihr Fahrzeug vorbereitet sein sollten...

Gemischte 4x4 Gruppe im polnischen Wald

4x4eastward steht für Offroad - Abenteuer in kleinsten Gruppen von nie mehr als 6 Teilnehmer- Fahrzeugen.  Da lässt sich jede Tour ganz individuell gestalten, abgestimmt auf die teilnehmenden Fahrzeuge. Trotzdem bleibt die Frage, was ist schwer, was leicht zu fahren? Wir wissen es nicht, denn für jeden Fahrer in jedem Fahrzeug gilt, die Erfahrung und Routine des Fahrers sind fast wichtiger als Untersetzung, Sperre oder Winde. Um die Entscheidung für eine Reise oder Tour leichter zu machen, haben wir diese im Kalender in farbige Kategorien unterteilt. Wir hoffen, dass dadurch die Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug von vorne herein deutlicher werden. Weiter lesen...